Im Mittelalter war der Harz fast vollständig abgeholzt worden, da dieser Rohstoff als Baumaterial für Häuser, Dämme und Bergwerksstollen sowie als Energielieferant benötigt wurde. Die kahlen Flächen forstete man mit einer Baumart auf, die zwar anfällig für Sturm und Ungeziefer ist, aber dafür sehr schnell wächst – mit Fichten. Die damit verbundenen Risiken nahm man bereitwillig in Kauf, so wie wir es heute mit anderen Dingen ebenfalls tun.
Die Fichtenbestände im Harz sind heute geplagt von einem starken Befall mit Borkenkäfern. Hierzu muß man wissen, daß die Fichte nicht von Natur aus im Harz beheimatet ist, sondern dort ausschließlich zur schnellen Nutzholzgewinnung angepflanzt wurde. Die Heimat der Fichte liegt in nördlicheren Regionen. Normal wäre im Harz ein von Buchen beherrschter Mischwald. Die in weiten Teilen des Harzes vorherrschende Fichten-Monokultur ist besonders anfällig für Schädlinge wie den Borkenkäfer, zumal die Fichten durch das sich in letzter Zeit erwärmende Klima besonders gestreßt und geschwächt sind. Nun wird die Fichte von diesem Käfer von denjenigen Standorten verdrängt, auf denen sie nicht heimisch ist. Dieser Prozeß wird sich in den nächsten Jahren vermutlich noch weiter verstärken, so daß in einer Art natürlicher Auslese die Fichte aus dem Harz verdrängt wird und an ihre Stelle andere Baumarten – vor allem Buchen – treten werden.
So sorgt der Klimawandel dafür, daß sich im Harz wieder ein ursprünglicher Mischwald entwickeln kann, so wie er hier schon vor mehr als eintausend Jahren zu finden war. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, wie es der Natur wieder einmal gelingt, sich selbst zu regenerieren und menschliche Fehler auszugleichen.
Einen kleinen optischen Eindruck vom borkenkäfergeplagten Harzer Fichtenwald finden Sie auf diesem Bild vom Gipfel der Schalke im Oberharz.